Alternative Anlagen
The New York Gigaweek 2025 – Analyse einer historischen Kunst-Auktionswoche
26.11.2025

Ein Marktbericht zur bedeutendsten Novemberwoche seit 2022:
Die November-Gigaweek 2025 markiert einen Wendepunkt im globalen Kunstmarkt: Mit einem Gesamtumsatz von USD 2,13 Mrd. über alle großen Häuser hinweg wurde nicht nur ein spektakuläres Comeback gegenüber 2023 erreicht (+41%), sondern auch das zweitstärkste Ergebnis seit dem Rekordjahr 2022 erzielt. Entscheidender Motor dieser Entwicklung war eine beispiellose Konzentration hochwertiger Sammlungen, allen voran die Leonard Lauder Collection bei Sotheby's sowie die Edlis-Neeson Collection bei Christie's.
1. Sotheby's dominiert – Rekordzahlen im neuen Breuer-Headquarters
Sotheby's setzte den Ton der Woche und lieferte ein Ergebnis, das die Branche elektrisierte: USD 1,17 Milliarden Umsatz, eine Verkaufsquote von 94 % in Kategorien über USD 500.000 und eine durchschnittliche Schätzpreis-Überbietung von +22 %. Das erstmals für eine große Auktion genutzte Breuer-Gebäude erwies sich als mehr als nur eine architektonische Bühne: Die akustik-optimierte Struktur und der dramaturgisch inszenierte Saal erzeugten eine fast theatralische Spannung, die Bieter zu Höchstleistungen antrieb. Die Leonard Lauder Collection bildete das Herzstück – 55 Werke, zusammen über USD 400 Mio., kuratiert mit musealer Präzision. Den absoluten Höhepunkt und gleichzeitig einen Markt-Meilenstein setzte:
Gustav Klimt „Portrait of Elisabeth Lederer"
USD 236,4 Mio.
→ Weltrekord für Klimt
→ teuerstes Werk, das je bei Sotheby's verkauft wurde
→ 2. teuerstes Kunstwerk aller Zeiten
Der 20-minütige Bieterwettkampf – vier Kontrahenten, darunter zwei asiatische Auftraggeber – wurde von Oliver Barker mit perfektem Rhythmus geführt und gilt bereits jetzt als Lehrstück der Auktionsregie.
Weitere Highlights bei Sotheby's:
Frida Kahlo „El Sueño (La cama)“ – USD 54,7 Mio. (Rekord für die Künstlerin und jede lateinamerikanische Künstlerin)
Vincent van Gogh Stillleben – USD 62,7 Mio., zugeschlagen für einen asiatischen Sammler
Max Beckmann „Der Wels" – USD 9,2 Mio., weit über Erwartung
Maurizio Cattelan „America“ (Goldtoilette) – ca. USD 10 Mio., verkauft an Ripley's Believe It or Not!
Sotheby's hat mit dieser Woche seine Position als strategischer Marktführer zurückerobert - nicht durch Volumen allein, sondern durch hochgradige Kuratierung, globale Guarantees und präzise Bieterführung.
2. Christie's – Eine starke, dynamische Woche mit USD 965 Mio. Umsatz
Christie's erzielte eine beeindruckende Woche von USD 965 Mio., was einer Schätzpreis-Überbietung von 21 % und einer Verkaufsquote von 92% entspricht. Die Marke setzte auf bewährte Kategorien – vor allem die Edlis-Neeson Collection, eine der geschmackbildenden Sammlungen Chicagos.
Zu den prägenden Momenten gehörten:
Mark Rothko „No. 31 (Yellow Stripe)“ → USD 62,1 Mio. (bemerkenswert: mit dem höchsten Online-Vorangebot in der Unternehmensgeschichte)
Christopher Wool „RIOT“ (1990) → USD 20 Mio., der viertteuerste Wool überhaupt
Cindy Sherman „Untitled Film Still #13" (1978) → USD 2,2 Mio. (ein spektakulärer Sprung von USD 900.000 im Jahr 2008)
Olga de Amaral „Pueblo H“ → USD 3,1 Mio. (Rekord, getragen von der Fondation Cartier-Resonanz)
Diego Giacometti Möbel-Ensemble → USD 12 Mio., deutlich über Schätzung
Die Sammlung wirkte wie eine Zeitkapsel der 1970er/80er, und die Preisbildung zeigte eine klare Marktlogik: Es wurde nicht auf alte Prestigelevel gehoben, wo sie nicht mehr gerechtfertigt sind – doch Spitzenstücke wurden aggressiv verfolgt.
3. Phillips – Stabil, transparent und überraschend erfolgreich
Phillips erzielte USD 186 Mio. und schrieb damit eine nahezu identische Performance wie 2024 – allerdings mit deutlich höherer Marktstabilität. Priority Bidding, das 70 % der Lose schon vor der Auktion sicherte, ersetzte klassische Guarantees und erwies sich als modernes, nervenschonendes Modell.
Herausragend:
Francis Bacon „Study for Head of Isabel Rawsthorne and George Dyer" (1967) → USD 16 Mio.
Joan Mitchell “Untitled” (1957–58) → USD 14,3 Mio.
Mark Tansey „Revelever“ → USD 4,6 Mio.
Ruth Asawa (2 Werke) → jeweils ca. USD 1 Mio.
Triceratops-Fossil „Cera“ – verkauft mit Third-Party-Guarantee; Summe vertraulich. Der Sell-Through von 94 % zeigt, dass Phillips seinen Platz im Premiumsegment erfolgreich behauptet.
4. Bonhams – Klein, aber mit Momentum
Bonhams lieferte USD 28 Mio. ab – ein solides Ergebnis im Übergangsjahr vor dem Umzug in das neue Haus an der 111 West 57th Street (Eröffnung 2026).
Wayne Thiebaud „River Sides“ → USD 2,4 Mio.
Yves Tanguy → USD 1,8 Mio. (vom Nahmad-Clan aggressiv verfolgt)
David Hockney → USD 1,39 Mio.
Jeff Koons → USD 1,35 Mio.
Die Richtung stimmt: Bonhams positioniert sich zunehmend als Boutique-Haus mit präzisem Fokus.
Langfristige Entwicklung 2019 - 2025
Jahr | Umsatz | Verkaufsquote | Schätzpreis-Überbietung |
|---|---|---|---|
2019 | USD 2,1 Mrd. | 93 % | +28 % |
2020 | USD 0,9 Mrd. | 81 % | -12 % |
2021 | USD 2,4 Mrd. | 96 % | +41 % |
2022 | USD 2,45 Mrd. | 94 % | +31 % |
2023 | USD 1,51 Mrd. | 84 % | +6 % |
2024 | USD 1,78 Mrd. | 89 % | +14 % |
2025 | USD 2,13 Mrd. | 92 % | +21 % |
Source: Artnet

Die Erholung nach der Marktbereinigung 2023/24 ist fast vollständig abgeschlossen – der Markt liegt nur 13 % unter dem Allzeithoch von 2022.