Märkte & Zyklen

Marktausblick Q1 2026

21.01.2026

Executive Summary

Die globale Wirtschaft tritt 2026 in eine Phase tiefgreifender Umbrüche ein. Geopolitische Spannungen, eine fragmentiertere Weltordnung und eine beschleunigte technologische Revolution prägen das Umfeld. Trotz dieser Unsicherheiten zeigen sich die Finanzmärkte bislang bemerkenswert resilient – getragen von expansiver Fiskalpolitik, gelockerter Geldpolitik und hohen Erwartungen an die künstliche Intelligenz (KI).

Im Zentrum steht die Frage, ob die Weltwirtschaft eine neue „Fluchtgeschwindigkeit" erreichen kann und damit die traditionellen Endzyklus-Dynamiken überwindet. KI besitzt das Potenzial, Produktivität nachhaltig zu steigern und Wachstum zu verlängern. Ob dieses Potenzial realisiert wird, hängt jedoch von der weiteren Finanzierung, der erfolgreichen Monetarisierung und dem Ausbau der notwendigen Energie- und Infrastrukturkapazitäten ab.

Die wachsende Kluft zwischen den USA und China bleibt ein prägendes Merkmal der globalen Märkte. Während die technologische Führungsrolle der USA die Aktienmärkte stützt, sorgt Chinas industriepolitisch getriebene Überkapazität zunehmend für Verwerfungen – insbesondere in Europa. Gleichzeitig verschärfen steigende Staatsverschuldung und fortschreitende Deglobalisierung die strukturellen Risiken.

Vor diesem Hintergrund gewinnen langfristige Trends an Bedeutung. Die fünf strukturellen Kräfte – Digitalisierung, Dekarbonisierung, Verschuldung, Demografie und Deglobalisierung – prägen das Anlageumfeld bereits heute. Chancen sehen wir insbesondere in den Bereichen KI und Technologie, Energie und Ressourcen sowie Langlebigkeit. Zugleich bleiben breite Diversifikation und gezielte Portfolioabsicherung zentral, um den erhöhten politischen und wirtschaftlichen Risiken zu begegnen.

Disruptive Kräfte in einer Welt im Umbruch

Die Welt befindet sich in einer Phase tiefgreifender politischer, wirtschaftlicher und technologischer Veränderungen. Handelskonflikte, geopolitische Spannungen, strukturelle Verschiebungen zwischen den grossen Wirtschaftsräumen sowie der rasante Fortschritt in der künstlichen Intelligenz stellen bestehende Ordnungen infrage. Was auf den ersten Blick Verunsicherung auslöst, eröffnet gleichzeitig neue Chancen.

Bereits in der Antike standen Prometheus und Pandora sinnbildlich für dieses Spannungsfeld: Fortschritt und Erkenntnis auf der einen Seite, Risiken und unbeabsichtigte Nebenwirkungen auf der anderen. Auch heute entfalten disruptive Entwicklungen eine Eigendynamik, die sich kaum mehr kontrollieren lässt. Hoffnung und Risiko gehen Hand in Hand – und prägen das Anlageumfeld zu Beginn des Jahres 2026.

Resiliente Märkte auf fragilen Fundamenten

Trotz zahlreicher politischer und wirtschaftlicher Schocks haben sich die Finanzmärkte bislang bemerkenswert widerstandsfähig gezeigt. Der sogenannte Zollschock im Frühjahr 2025, die deutliche Abschwächung des US-Dollars sowie der beschleunigte Anstieg des Goldpreises machten jedoch sichtbar, wie fragil das Fundament ist.

Gleichzeitig sorgten robuste Konjunkturdaten, fallende Zinsen und hohe Erwartungen an die transformative Kraft der künstlichen Intelligenz für Rückenwind an den Aktienmärkten. Besonders US-Technologiewerte dominierten die Entwicklung. Der MSCI USA erzielte 2025 in US-Dollar eine deutliche Rendite, während diese für europäische und Schweizer Investoren aufgrund von Währungseffekten erheblich geringer ausfiel. Die zunehmende Konzentration der globalen Aktienmärkte auf wenige grosse US-Technologieunternehmen wirft dabei auch Fragen nach Bewertungen und möglichen Übertreibungen auf.

USA und China: Eine wachsende Kluft

Die aktuelle technologische Revolution wird klar von den USA angeführt. US-Unternehmen stellen heute einen dominierenden Anteil der globalen Marktkapitalisierung, während China an den Aktienmärkten deutlich zurückgefallen ist. Seit dem Ende der Corona-Pandemie hat sich eine markante Kluft zwischen der Entwicklung der US-amerikanischen und der chinesischen Aktienmärkte geöffnet.

China bleibt dennoch ein zentraler Akteur der Weltwirtschaft. Der beispiellose Aufstieg seit der Öffnung unter Deng Xiaoping und der WTO-Aufnahme im Jahr 2001 veränderte globale Handelsstrukturen nachhaltig. Heute steht China jedoch vor neuen Herausforderungen: einer anhaltenden Immobilienkrise, demografischem Gegenwind, eingeschränkter Kapitalmarktliberalisierung und Unsicherheiten hinsichtlich der Eigentumssicherheit.

Gleichzeitig verfolgt Peking seit mehreren Jahren eine gezielte Industriepolitik. Massive Investitionen in Schlüsseltechnologien haben zu erheblichen Überkapazitäten geführt, die zunehmend auf die Weltmärkte drücken. Dieser sogenannte zweite China-Schock trifft insbesondere Europa, etwa in der Automobil- und Industrieproduktion.

Schwerkraft überwunden? Auf dem Weg zu einer neuen Wachstumsphase

In der Physik ist eine Mindestgeschwindigkeit – die sogenannte Fluchtgeschwindigkeit – erforderlich, um die Schwerkraft eines massiven Körpers zu überwinden. Übertragen auf die Wirtschaft stellt sich für 2026 die Frage, ob die Kombination aus KI-Innovation, expansiver Fiskalpolitik und gelockerter Geldpolitik ausreicht, um die klassischen Endzyklus-Dynamiken zu überwinden und in eine neue Wachstumsphase einzutreten.

Im Zentrum dieser Debatte steht die künstliche Intelligenz. Ihr Potenzial zur Steigerung der Produktivität ist erheblich. Gelingt es, Innovationen nachhaltig zu monetarisieren, ausreichend Kapital bereitzustellen und die notwendige Energie- und Infrastruktur aufzubauen, könnte KI eine neue Art wirtschaftlicher Fluchtgeschwindigkeit ermöglichen.

Verschuldung, Deglobalisierung und politische Schwerkräfte

Ein weiterer zentraler Faktor ist die Entwicklung der Staatsverschuldung. In vielen Industrieländern haben staatliche Ausgaben bereits ein Niveau erreicht, das langfristig schwer tragbar erscheint – insbesondere vor dem Hintergrund alternder Bevölkerungen. Ohne strukturelle Reformen dürfte der Schuldenstand weiter steigen und den politischen Handlungsspielraum zunehmend einengen.

Parallel dazu schreitet die Deglobalisierung voran. Handels-, Innen- und Geopolitik greifen immer stärker ineinander. Lieferketten werden neu organisiert, wirtschaftliche Abhängigkeiten überdacht und politische Risiken neu bewertet. Diese Kräfte wirken wie eine Schwerkraft der Vergangenheit, die die Volatilität an den Märkten weiter erhöhen dürfte.

Quellen: Bloomberg, UBS, per 12. November 2025

Dauerhafte Trends und Anlageimplikationen

Trotz aller Unsicherheiten kristallisieren sich langfristige Grundprinzipien heraus. Die fünf strukturellen Kräfte – Digitalisierung, Dekarbonisierung, Verschuldung (Debt), Demografie und Deglobalisierung – prägen das Anlageumfeld bereits heute und werden auch 2026 bestimmend bleiben.
Vor diesem Hintergrund richten wir den Fokus auf Sektoren, die von diesen Kräften profitieren:

  • Künstliche Intelligenz und Technologie

  • Energie, Ressourcen und Rohstoffe

  • Langlebigkeit und demografischer Wandel

Die steigende Verschuldung deutet zudem auf ein Umfeld finanzieller Repression hin, in dem Kapital verstärkt in Staatsanleihen gelenkt und Renditen begrenzt werden. Gleichzeitig gewinnt die Diversifikation über verschiedene Anlageklassen sowie eine gezielte Portfolioabsicherung weiter an Bedeutung.

Fazit

Die Zukunft bleibt unberechenbar, doch grosse Veränderungen bringen stets auch neue Chancen. Disruptive Kräfte bergen Risiken, eröffnen aber auch Wege zu Fortschritt und Wachstum. Hoffnung und Unsicherheit existieren nebeneinander – so wie einst bei Prometheus und Pandora.

Mit einem disziplinierten Analyseansatz, klaren Grundsätzen der Vermögensallokation und einem Fokus auf strukturelle Trends sind wir überzeugt, dass sich Anlegerinnen und Anleger auch im Jahr 2026 und darüber hinaus erfolgreich orientieren können.