Märkte & Zyklen

Finanzausblick Q4 2025

09.10.2025

eine Nahaufnahme von zwei Säulen an einem Gebäude

Einleitung & Überblick: Globale Märkte im Fokus

Themen in diesem Newsletter

  • Einleitung & Überblick: Globale Märkte im Fokus

  • USA: Wirtschaftspolitik, Zölle & Kapitalflüsse

  • Europa: Stagflation, Zölle und Chancen

  • Schuldenimplosion und Handlungsempfehlungen

Das vierte Quartal 2025 zeigt eine zunehmend komplexe Situation auf den globalen Finanzmärkten. Während die großen und liquidesten Märkte der Welt aktuell keine akuten Warnsignale senden, gibt es einzelne Indikatoren, die Aufmerksamkeit verdienen. Besonders hervorzuheben ist der US-Dollar, der seit Anfang 2025 gegenüber Euro und Schweizer Franken um mehr als 10% nachgegeben hat. Parallel dazu ist der Goldpreis, traditionell ein Krisenindikator, seit Anfang 2024 in US-Dollar um rund 80% gestiegen (in CHF und EUR jeweils ca. +70%). Seit Januar 2025 hat der Goldpreis nochmals um rund 40% in USD zugelegt (CHF/EUR +25%). Trotz dieser deutlichen Bewegungen bleibt der Goldmarkt mit geschätzten 1% des globalen Volumens an Aktien und Anleihen relativ klein.

Seine Aussagekraft als Krisenindikator liegt daher eher in der symbolischen Funktion und im psychologischen Effekt auf Investoren. Neben Edelmetallen rücken in den letzten Wochen vor allem langfristige Staatsanleihen stärker in den Fokus. Die Renditen 30-jähriger Staatsanleihen in den USA, Frankreich und Deutschland steigen derzeit deutlich entgegen dem langfristigen Trend und trotz tendenziell fallender Inflationszahlen. Einzige Ausnahme sind die langlaufenden Obligationen der Schweiz, die stabil bleiben.

USA: Wirtschaftspolitik, Zölle und Kapitalzuflüsse

Trump-Politik: Strategisch aus US-Sicht

Die US-Wirtschaftspolitik der letzten Jahre, geprägt durch Zölle, den „America First"-Ansatz und die selektive Ablehnung von Freihandelsabkommen, wird international oft kritisch gesehen. Aus einer amerikanischen Perspektive ist sie jedoch strategisch konsequent:

  • Ziel ist nicht primär globaler Wohlstand oder niedrige Importpreise, sondern wirtschaftliche Unabhängigkeit, maximale Inlandsproduktion, Beschäftigung und Stabilität.

  • Zölle wirken dabei als steuerpolitisches Instrument: Importgüter werden teurer, die Nachfrage nach inländischer Produktion steigt, und Einnahmen fließen direkt in den US-Haushalt.

Leistungsbilanz- und Staatsdefizit

Die USA verfügen traditionell über ein hohes Leistungsbilanzdefizit. 2024 betrug dieses USD 1.13 Billionen (ca. 3.9% des BIP).

Die Ursachen:

  • Starkes Konsumverhalten und hohe Nachfrage nach Importwaren, insbesondere Elektronik, Konsumgütern und Maschinen.

  • Strukturelle Wettbewerbsnachteile in bestimmten Industrien, die Arbeitsplätze ins Ausland verlagert haben.

  • Geringe Sparquoten, die das Ungleichgewicht zwischen Importen und Inlandsproduktion verstärken.

Parallel dazu stieg das Staatsdefizit 2024 auf USD 1,833 Billionen (6,4% des BIP). Die Nettozinszahlungen auf Staatsanleihen beliefen sich auf rund USD 882 Mrd., ca. 3% des BIP. Die Kombination aus Leistungsbilanzdefizit und Staatsverschuldung macht die USA langfristig abhängig von ausländischem Kapital.

Hoch bewertete Aktien als Finanzierungsmechanismus

Die USA „exportieren“ derzeit nicht nur Waren, sondern auch Hoffnungen und Erwartungen: Hoch bewertete Tech-Aktien (Tesla, NVIDIA, Apple) ziehen ausländische Investoren an. Diese Kapitalzuflüsse stabilisieren den US-Dollar, finanzieren Konsum und Investitionen und gleichen so Teile des Leistungsbilanzdefizits aus.

Europa: Stagflation, Zölle und Chancen

Stagflation in der Eurozone

Die europäische Wirtschaft wächst nur langsam: 0,1-0,3%, knapp oberhalb der Rezessionsgrenze. Ursachen:

  • US-Zölle auf Stahl, Aluminium, Elektrofahrzeuge und Solartechnik erschweren den Marktzugang europäischer Exporteure.

  • Hohe Staatsverschuldung limitiert fiskalische Spielräume.

  • Energiepreise und Lieferkettenprobleme halten die Inflation trotz schwachem Wachstum hartnäckig.

Chancen für Anleger

  • Sinkende Rohstoffpreise und billige Importe aus China könnten die EZB zu Zinssenkungen bewegen.

  • Europäische Mid- und Small-Caps könnten überproportional von einer wirtschaftlichen Erholung profitieren.

  • Aktienbewertungen in Europa bleiben historisch moderat, was Chancen für selektive Investments bietet.

Schuldenimplosion?

Droht eine Schuldenimplosion?

  • Aktuell gibt es keine klaren Warnsignale für einen plötzlichen Marktzusammenbruch.

  • Strukturelle Risiken wachsen: hohe Verschuldung, steigende Zinsen, überbewertete Aktienmärkte und geopolitische Unsicherheiten.

  • Anleger sollten Gold, langfristige Anleihen und den US-Dollar genau beobachten.

Chancen für Anleger

  • Sinkende Rohstoffpreise und billige Importe aus China könnten die EZB zu Zinssenkungen bewegen.

  • Europäische Mid- und Small-Caps könnten überproportional von einer wirtschaftlichen Erholung profitieren.

  • Aktienbewertungen in Europa bleiben historisch moderat, was Chancen für selektive Investments bietet.

Globale Staatsschulden im Überblick:

  • USA: 124,3% Debt-to-GDP, Zinslast ca. 3% des BIP.

  • Eurozone: Ø 87% des BIP

  • Einige Beispiele für einzelne Länder (Staatsverschuldung in % des BIP, Ende 2024):

    • Griechenland ca. 154%

    • Italien ca. 135%

    • Frankreich ca. 113%

    • Belgien ca. 104.7%

    • Spanien ca. 101.8%

    • UK ca. 95%

Steigende Zinsen erhöhen Refinanzierungskosten und steigern das Risiko von Kapitalabflüssen. In den USA und Frankreich sind bereits steigende Renditen auf Staatsanleihen zu beobachten - ein Zeichen zunehmender Risikowahrnehmung.

Die aktuell steigenden Renditen für Staatsanleihen signalisieren zunächst vor allem eines: Anlegerinnen und Anleger verlangen eine höhere Risikoprämie für das Kapital, das sie dem Staat zur Verfügung stellen. Der naheliegendste Grund hierfür ist ein nachlassendes Vertrauen in die Fähigkeit oder den Willen des Staates, die aufgenommenen Kredite langfristig zurückzuzahlen. Angesichts der inzwischen in nahezu allen großen Volkswirtschaften enormen Verschuldung überrascht es nicht, dass die Sorge vor einem offenen Schuldenschnitt, einer schleichenden Inflation oder finanzieller Repression zunimmt. Diese Faktoren erhöhen das wahrgenommene Risiko und spiegeln sich direkt in den verlangten Renditen wider. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass steigende Renditen nicht ausschließlich auf Vertrauensverlust zurückzuführen sind. Auch strukturelle Faktoren, wie ein erwarteter stark erhöhter Investitionsbedarf - etwa im Rahmen der digitalen Transformation – können zu einem wachsenden Kapitalbedarf und damit zu höheren Zinsen führen. In diesem Kontext reflektieren steigende Renditen sowohl Risikoaversion als auch ökonomische Knappheiten, die sich aus zukünftigen Investitions- und Wachstumsanforderungen ergeben.

Quelle: Bloomberg. Renditen der jeweiligen Indices für 30-jährige Staatsanleihen von Januar 2007- Ende August 2025.